|
1596, nach anderer Angabe 1618 – Erste Dokumente mit Belegen von Kieferer Theater-Aktivitäten (ein verlorener Bericht von 1896, der höchstwahrscheinlich auf mündlicher Überlieferung beruht) – Aufführungen auf der Laube des Veitbauern mit Zuschauerfläche auf dem Friedhofsberg.
17. Jhdt. – Komödienhütte auf dem Bergberg am Weg zum Hechtsee und zum Thierberg
1705 – Die Bühne beim Veitbauern wird nach dem Umbau des Hauses aufgegeben
18. Jahrhundert – nach Vorbild der Jesuiten zahlreiche Aufführungen zuerst von Bibelstücken, dann Heiligenlegenden
seit 1721 – die 1721 gegründete „Bruderschaft vom Hl. Kreuz“ stiftet ein „Komödienamt“. Ein „Schutzengelspiel“ von Simon Trost (1748/1762) ist der älteste erhaltene Kieferer Theatertext mit Aufführungsnachweis (1753)
1705-1753 – Keine bühnengeschichtlichen Dokumente. Wahrscheinlich bestand die jetzt bespielte Bühne schon seit längerer Zeit. Theater-Aktivitäten sind nur unsicher und lückenhaft dokumentiert
31. März 1770 – Allgemeines Verbot von Passionsspielen
1774 – „Theaterbauskandal“: Ein Theaterneubau wird begonnen und bezahlt, aber nicht vollendet
31. März 1784 – Allgemeines Verbot aller geistlichen Spiele
1801 – Endgültiger Neubau der „Theaterschupfe“ an der Stelle des heutigen „Theaterstadels“
Nach 1800 - Der Zollbeamte Wolfgang Schwarz verfasst mehrere Stücke für die „Schupfe“ (z.B. über den Hl. Alexius, „Die heilige Kreuz Erhöhung“)
1833 – Die „Theaterschupfe“ wird wegen Baufälligkeit abgebrochen. Der größere Neubau enthält die erweiterte Drehkulissenbühne (Sukzessions-Kulissenbühne) nach früherem Vorbild, deren Dekorationen seither immer wieder für den gesteigerten Spielbedarf regelmäßig erneuert werden.
ca. 1830 – Erneuerung des „Repertoires“: Anstelle Geistlicher Spiele gelangen nun Ritterschauspiele zur Aufführung (eine Sammelhandschrift von Thomas Strasser, 1770-1772, mit den Szenen „Das Opfer Abrahams“, „Der ägyptische Joseph“, „Der verlorene Sohn“ u.a. wurde im II. Weltkrieg vernichtet)
Joseph Georg Schmalz (1792/3 Fügen/Zillertal – 1845 Brixlegg/Tirol): Von den 23 nachweisbaren Stücken des „Bauernshakespeare von Kiefersfelden“ bilden die 12 erhaltenen den eisernen Bestand des Kieferer „Repertoires“
1843-48 – Den Kieferern wird die Spielerlaubnis entzogen
1849 – Erteilung der Spielerlaubnis durch das Landgericht
1851-1861 – Abermaliges Spielverbot. Der Volkskundler Ludwig Steub formuliert den Kieferern einen Brief an die bayerische Regierung und rebellierte in Zeitungsartikeln „gegen die Unterdrückung der volkstümlich dramatischen Vorstellungen im baierischen Hochland“.
15. Februar 1862 – Spielkonzession wird wieder erteilt
1864 – Aus unbekannten Gründen wird die Spielerlaubnis erneut entzogen. Aus Protest gegen den Leiter Johann Haidacher entstehen Streitigkeiten um die Theaterdirektion, die zum kurzfristigen Bestehen zweier Kieferer Theatergesellschaften führt.
1868 – Die neue Gesellschaft erhält das Spielrecht.
Sylvester Greiderer (18– 1924 Kufstein) erneuert die Vereinsform zur „Activen Theatergesellschaft Kiefersfelden“. Als Dramaturg und Spielleiter bearbeitet er die Dramen von Joseph Schmalz und komponiert zum gesamten damals bestehenden Repertoire die kompletten, heute noch gespielten Bühnenmusiken.
Seit 1880 – Im Zuge der touristischen Erschließung des Alpenvorlandes, der literarischen Vorliebe für die entstehende Heimatliteratur (Anzengruber, Ganghofer) und nicht zuletzt durch die unermüdliche Propaganda Ludwig Steubs entdeckt das bürgerliche und Sommerfrischen-Publikum die Ritterschauspiele als Alternative zu den Modernismen des psychologischen Realismus à la Ibsen am Münchner „Hoftheater“.
1887 – Verbreiterungsbau auf der Ostseite an der Bühne
1907 – Vergrößerung des Zuschauerraums um fünf Sitzreihen
1911 – abermalige Vergrößerung des Zuschauerraums um sechs Sitzreihen
1913 – Elektrifizierung der Beleuchtung
1914-1920 – Durch den I. Weltkrieg kommt der Spielbetrieb sechs Jahre zum Erliegen
nach 1920 – In der Inflation klettern die Kartenpreise bis auf 2 Mio. Mark. Erschwerte Spielbedingungen, weil durch die Grenzsperre die zahlreichen Besucher aus Tirol entfallen müssen.
1927 – Hans Moser „Das Volkstheater Kiefersfelden“
1928 – gänzliche Erneuerung des Zuschauerraumes
1926 – Uraufführung „Heilige Liebe“ von Afra Schulzä
Die Ritterschauspiele erwecken das wissenschaftliche Interesse des Theaterwissenschaftlers Arthur Kutscher, Universität München.
1935 – Mit Erfolg wehren sich die Kieferer gegen den Versuch der NSDAP, im Theaterstadel andere Veranstaltungen durchzudrücken.
1. September 1939 – Mit Beginn des II. Weltkriegs kann die kaufende Saison nicht planmäßig durchgeführt werden.
Seit 1956 – Alljährlich werden in Hauptversammlungen der „Theatergesellschaft“ Spielleiter und Vorstand gewählt.
1963 – Gedenksteinweihe für Joseph Schmalz beim Theaterstadel
1966/67 – Aus feuerpolizeilichen Gründen wird der Zuschauerraum erneuert (501 Plätze).
1970/71 – Erneuerung des Bühnenhauses
1973 – Erstausgabe „Das Kiefersfeldner Volkstheater und seine Ritterstücke“ von Paul Ernst Rattelmüller (Süddeutscher Verlag)
1977 – Dissertation Frido Will „Das Volkstheater Kiefersfelden“ (Kitzinger)
1993 – Die Gemeinde lässt den Bereich um den Theaterstadel renovieren.
Herbst 2005 – Gründung des Fördervereins der „Ritterschauspiele Kiefersfelden“. Erstinitiative war die Neu-Bestuhlung des Theaterstadels.
Frühjahr 2007 – Eröffnung www.ritterschauspiele-kiefersfelden.de
PUBLIKATIONEN
- Paul Ernst Rattelmüller: Das Kiefersfeldner Volkstheater und seine Ritterstücke; München 1973 (enthält die Stücke „Der Kauser Ocktavianus“ und „Ubald von Sternenburg“)
- Frido Will „Das Volkstheater Kiefersfelden“ – Dissertation; München 1977 (Münchner Universitätsschriften/Münchner Beiträge zur Theaterwissenschaft - Kommissionsverlag J. Kitzinger)
- Hans Moser: Das Volkstheater zu Kiefersfelden – in:
1) Chronik von Kiefersfelden (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim, hg. Von Albert Aschl, Bd. 3); Rosenheim 1959
2) Hans Moser: Volksschauspiel im Spiegel von Archivalien. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Altbayerns (Bayerische Schriften zur Volkskunde hg. Von der Kommission für Bayer. Landesgeschichte/Bayer. Akademie der Wissenschaften/Institut für Volkskunde; München 1991
- Frido Will „Das Volkstheater Kiefersfelden“ – Dissertation; München 1977 (Münchner Universitätsschriften/Münchner Beiträge zur Theaterwissenschaft - Kommissionsverlag J. Kitzinger)
- 375 Jahre Volkstheater Ritterspiele Kiefersfelden/ 200 Jahre Josef Schmalz; Herausgegeben anlässlich der 375 Jahr-Feier des Volkstheaters Kiefersfelden; Kiefersfelden 1993 (Texte von Martin Hainzl jun. und Hans Stimpfl)
|